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FWB | Patrick Mohr S/S 2010

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Foto Credit: Mary

Der bittere Nachgeschmack ist geblieben. Aber von vorn - gespannt begab ich mich gestern zur Patrick Mohr Show am Bebelplatz, was das Thema ist, wusste ich im Vorfeld nicht, ich freute mich nur auf “Non-Schischi”, auf Mode mit künstlerischem Anspruch, eine willkommene Abwechslung im oftmals langweiligem Modezirkus für die oberen Zehntausend. Lichter aus, Musik an - diese weckte sofort Assoziationen an auferstehende Urmenschen, dumpfe Klänge, die durch Mark und Bein gingen. Offensichtlich “normale” Männer und Frauen bahnten sich ihren Weg über den kunstvoll bestückten Laufsteg, teilweise leicht aufgeregt, teilweise unsicher, manchmal erschienen sie fast leidend unter der “Last” der ungewöhnlichen Bekleidung und Bemalung. “Hat der Patrick vielleicht neben den “professionellen Models” ein paar Freunde und Bekannte verpflichtet”, dachte ich. Eingehüllt in juteartige Overalls, ausgestattet mit den bekannt guten Jeans, verdeckt unter spitzen Kappen, barfuß oder in Hochglanz-Sneakern, das Gesicht vollkommen geweißt und mit dem immer wiederkehrenden roten Dreieck versehen. Eine Kollektion zum Nachdenken, die hängen bleibt und über politische Bezüge sinieren lässt. Erst im Nachhinein erfuhr ich von der eigentlichen Herkunft der Models, Obdachlose, die für die Show gesucht und gefunden wurden. Zweifelsohne eine sehr medienwirksame Idee, zweifelsohne visuell viel passender als die makellosen Models. Nichtsdestotrotz fragte ich mich, was haben die Betroffenen davon? Im Nachhinein fühlte ich mich beizeiten wie in einem Zirkus, in dem Einarmige zur Schau gestellt werden, die Männer und Frauen strahlten eine auffällig große Unsicherheit und Unwohlsein aus. Im Backstagebereich hieß es wohl “Das ist jetzt euer Moment!”. Ist das so? Ist das der Moment eines Menschen, der das Leben auf der Straße gewählt hat? Ein Leben ohne Glanz und Gloria, konzentriert auf das Wesentlichste des Wesentlichsten, das tägliche Überleben? Ich bin mir unsicher und sehr gerne hätte ich Patrick Mohr selber dazu befragt, was ihn zu der Idee bewogen hat. Die mit einhergehende Unterstützung des Projekts Straßenfeger schätze ich  wirklich sehr, die Zurschaustellung -  gewollt oder ungewollt - dagegen nicht.

Category: DESIGNER, FASHION

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